Keltenzeit

Die Jüngere Eisenzeit (ca. 450 bis 15 v. Chr.) im heutigen Österreich ist bestimmt von einer Übernahme keltischer Kultur und Lebensformen, aus der ein Stammesbund unter Führung der Noriker hervorging, der als Königreich Noricum bezeichnet wird. Bedeutende Siedlungsplätzer der Kelten in der Steiermark sind der Ringkogel bei Hartberg, der Dietenberg bei Ligist und der Frauenberg bei Leibnitz.

Das Oppidum am Ringkogel

► Während des 2. Jahrhunderts v. Chr. entstanden in keltischen Gebieten viele befestigte Siedlungen stadtähnlichen Charakters, die meist an Handelsstraßen lagen und als „Oppida“ bezeichnet wurden. Am Ringkogel entstand eine Höhensiedlung, es kam aber auch zur Errichtung von Flachlandsiedlungen.

► Handwerklich und künstlerisch hoch begabt, bedienten sich die Kelten einer reich entwickelten Mythologie und Götterhimmels. Ein wichtiger Schwerpunkt der religiösen Vorstellungen dürfte ein Ahnenkult gewesen sein. Die Kulthandlungen fanden meist an eigenen Opferplätzen in freier Natur statt.

► Die Kelten betrieben vor allem Landwirtschaft. Mit den Römern pflegten sie bereits intensive Handelsbeziehungen. Bevorzugt waren qualitätvolles Eisen („norisches Eisen“), zeitweilig Gold sowie verschiedene Naturprodukte. Im Gegenzug wurden Waren aus dem mediterranen Raum importiert.

Spurenlese am Ringkogel

Noch heute kann man drei Befestigungsringe erkennen. Daraus lässt sich auch der Name Ringkogel ableiten. Eine Toranlage und einige Terrassen, auf denen sich früher Gebäude befanden, konnten durch archäologische Grabungen nachgewiesen werden. Die massive Befestigungsmauer wurde nach Art eines "murus gallicus" errichtet. Ein Rekonstruktionsmodell der Bauweise ist im ►Stadtmusuem Harberg zu sehen.

►Ab der Spielstätte (mit Auto erreichbar ist oder zu Fuss über die Hartberger Brühl) führt ein Archäologischer Rundweg mit informativen Schautafeln zu den markantesten Punkten.

Der Ringkogel zur Römerzeit

Obwohl das Oppidum am Ringkogel zu unbekannter Zeit vermutlich einem Großbrand zum Opfer fiel, ist eine kontinuierliche Nutzung bis in die spätrömische Kaiserzeit nachweisbar.
Dachziegeln, Gebrauchskeramik, Terra Sigillata und einzelne Metallfunde sowie Münzen kamen 1906 beim Bau der Ringwarte und bei Grabungskampagnen des Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum 1930 bzw. 1997- 2007 zum Vorschein. Wenngleich durch die Bautätigkeiten im Jahr 1906 sehr wichtige Befunde zerstört wurden, so gelang es im Jahr 2007 der Nachweis von Gebäuderesten samt Architekturfragmenten. Diese lassen darauf schließen, dass sich hier – ähnlich dem Frauenberg bei Leibnitz oder dem Magdalensberg – allem Anschein nach ein regional bedeutsames Heiligtum befand. Die gefundenen Münzen deuten auf einen Zeitraum von ca. 8/10 n. Chr. bis in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts sowie die Mitte bzw. zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts hin.

Das Hartbergerland ist römisches Siedlungsland, das keltische Noricum wurde als Provinz ins Römische Reich integriert. Vielerorts fand man Spuren: In Hartberg steht die Stadtpfarrkirche auf römischen Grundfesten, die Wallfahrtskirche Maria Lebing wurde auf einem römischen Gräberfeld errichtet, in den Wäldern von St. Johann i.d.Haide bis Grafendorf sowie das Römergrab in Lebing bei Eichberg verweisen mit Fundstätten auf die Zeit der Römer.

► An den Südhängen des Ringkogels liegt das Weindorf Löffelbach. Hier zeigt eine archäologische Ausgrabungsstätte den gesamten Grundriss eines römischen Landgutes. Die Villa Rustica stammt aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr..

Die Villa von Löffelbach

In den 1960-er Jahren stieß man auf die Grundmauern eines herrschaftlichen Landgutes aus der Römerzeit. Das Römische Reich hatte im 4. Jh. nach Chr. seine größte Ausdehnung. Ein Modell der Villa ist im ► Stadtmuseum Hartberg zu sehen. Die Ausgrabungsstätte gehört zu den bedeutendsten sichtbaren Baufunden der Römerzeit in Österreich. Inmitten von Feldern und Weingärten nahe Löffelbach ist die Anlage frei zugänglich, die Zufahrt ist ausgeschildert, ein Stück ist zu Fuß zu bewältigen.

In der Bevölkerung hieß die Flur immer schon „Versunkenes Schloss“. Man wusste also um die scheinbar in den Boden versunkenen Mauern eines großen Bauwerkes, das man sich - nicht zu Unrecht, wie wir sehen werden  - als herrschafltichen Wohnsitz erklärte. Es ist anzunehmen, dass die Villa von Löffelbach ein Luxusbau der römischen Zeit ist und für einen wirtschaftlich potenten und vielleicht politisch einflussreichen Mann errichtet worden ist. Der Baukörper ist architektonisch so einfallsreich, dass sie, zumindest im Hintergrund, einen Baumeister voraussetzt, der mit den neuesten Tendenzen des repräsentativen Bauens im Reich vertraut war. Die Villa von Löffelbach liegt zwar in der Provinz und auf dem Land, aber doch ganz im Trend der Zeit und des damals noch (fast) allmächtigen Römischen Reiches.

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