Die Kirche war die wichtigste kulturelle Institution des Mittelalters. Die spätmittelalterliche Frömmigkeit beruhte auf den Vorstellungen des Fegefeuers und des erwerbbaren Ablasses.

Stilkunde: Romanik

Wann wurde der Karner erbaut?

Die Stadtpfarrkirche Hl. Martin wird 1157 erstmals urkundlich erwähnt. Errichtet als romanische Chorquadratkirche wird diese am Ende desselben Jahrhunderts zu einer dreischiffigen Pfeilerbasilika ausgebaut. Westlich vorgelagert entstand ein mächtiger quadratischer Stadtturm, der erst Jahrhunderte später zum Kirchturm umgestaltet wurde. Die Bautätigkeit, die auch in Zusammenhang mit dem Ausbau der Stadtmauer gesehen werden muss, spricht für die Bedeutung Hartbergs als Handelsplatz, als Grenzfeste und die zunehmende Prosperität in dieser Zeit.

Der Zeitpunkt der Errichtung des Hartberger Karners wird unter Historikern nach wie vor kontrovers diskutiert. Die Einordnung wechselt zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und der Mitte des 13. Jahrhunderts. In beiden Fällen wird als Bauherr ein "Pfarrer Ulrich" angeführt. Im ersten Fall wird als Begründung der Versuch in Hartberg ein Landesbistum zu errichten angenommen. Im zweiten Fall wird die Herrschaftsrepräsentation des damaligen Landesfürsten Ottokar II. Přemysl angeführt, an dessen Hof der spätere Pfarrer von Hartberg, Magister Ulrich, als höhergestellter Notar wirkte.

Ottokar von Böhmen befand sich in der Mitte des 13. Jahrhunderts am Höhepunkt seiner Macht. Er hatte zu diesem Zeitpunkt König Bela IV. von Ungarn als zwischenzeitlichen Landesherren der Steiermark im Erbfolgestreit nach dem Tod des letzten Babenbergerherzogs Friedrich des Streibaren abgelöst.
Bauliche Ähnlichkeiten mit der Abteikirche in Jak, der Kirche in Schöngrabern und von St. Stephan in Wien sprechen für die spätere Bauzeit.

Diesen Deutungen folgend würde eine gezielte Kunstpolitik Ottokars als Herrschaftslegitimation an der Wiege des Hartberger Karnes stehen.


Quelle: Ritter - Bürger - Bauern | Historischer Verein Hartberg

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Ottokar II. Přemysl war von 1253 bis 1278 König von Böhmen. Die Karte zeigt den Einflussbereich Ottokars II. zwischen 1253 und 1271.

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