Stadterweiterung um 1900

♦ Die mittelalterliche Stadt bekommt ihr grünes Kleid.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Hartberg einen Bürgermeister, der großes Gespür für Stadtentwicklung hatte: Josef Ressavar. Er hat in Harberg viel bewegt und die Stadt in einen neue Zeit geführt. Sein Geschick, die naturräumliche Besonderheit der Stadt in den Mittelpunkt städtebaulichen Denkens zu stellen, war eine Weichenstellung, die bis ins 21. Jahrhundert Wellen schlägt.

Hartberg darf seit 2009 die "Città Slow"-Auszeichnung tragen, verliehen aufgrund folgender Kriterien: Wir bewahren die Schönheit unserer Altstadt, gehen mit der Natur und ihren Schätzen behutsam um, schonen die Ressourcen der Region und stärken ihre Vielfalt. Der Zeit schlagen wir ein Schnippchen, wir entschleunigen sie und das bedeutet: wir leben bewusst und achten auf die Sinne! Den Grundstein für diese Gesinnung hat uns wohl unser Langzeitbürgermeister Josef Ressavar in die Wiege gelegt. Er waltet mit Um- und Weitsicht.

Das Grazertor, einer der mittelalterlichen Stadttürme, wurde abgetragen, mit dem Bauschutt wurde die Wienerstraße gepflastert. Der historische Brunnen am Hauptplatz - so wußte man zu berichten - sei eingekauft auf der Pariser Weltausstellung. Josef Ressavar, er war auch der Apotheker der Stadt, ließ die Fassade seines mittelalterlichen Hauses im neobarocken Stil umgestalten. Ob er sich hier am Pariser Chic orientierte?

Am Stadtteich beim Schöbingerturm wurde das erste Erholungszentrum der Stadt eröffnet. So erfreute man sich an sonntäglichen Ausfahrten mit dem Boot und nahm ein Bad im Ersten Freibad der Stadt, das noch mit hohen Holzbarrieren vor fremden Blicken schützte.

Das "Tröpferlbad", wo sich heute der Notar befindet, sorgte als öffentliche Badeanstalt für hygienischen Fortschritt. Der Stadtpark beim Schloss wurde nach dem Aufschütten des Stadtgrabens auf sieben Terrassen angelegt. Durch den Bergpark führten Promenadenwege. Der schattige Wanderweg durch die Brühl war mit Plätzen zum Verweilen eine Rückzugsoase. 1906 vollendete Bürgermeister Raimund Obendrauf die grüne Stadterweiterung mit dem Bau der Ringwarte. Von der Aussichtswarte hat man einen einzigartigen Blick ins Oststeirische Hügelland bis ins Pannonische. Heute ist die Ringwarte das Wahrzeichen des Hartbergerlandes.

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