Auf römischen Fundamenten

Die Stadtpfarrkirche Hartberg ist dem Heiligen Martin geweiht und wurde 1157 erstmals erwähnt. Ihre Fundamente sind noch älter: sie stehen auf den Resten eines römischen Bauwerks aus der Zeit um 200 n. Chr. Die Mauerreste, besonders die Freilegung des Grundrisses einer römischen Villenanlage mit Hypokaustenheizung unter der Pfarrkirche im Jahr 1973 weisen auf eine kaiserzeitliche Siedlung im Stadtgebiet hin. Ebenso verweisen Grabsteine an der Kirchenmauer auf die römische Besiedelung. Der Kirchturm war ein ursprünglich romanischer Wehrturm, an den man später die Kirche angebaut hat. Sein spätbarocker Turmhelm zählt zu den schönsten des Landes.

♦ In der Stadtpfarrkirche  fügen sich unterschiedliche Stile zu einem harmonischen Ganzen: Die Römer im Fundament, die Romanik im Turm, die Gotik mi dem schönen Sternrippengewölbe unter dem Dach und der Barock im Innenleben. Als 1715 in Hartberg ein verheerender Brand ausbrach, der viele Häuser zerstörte und die Kirche stark beschädigte, entschied man sich 1751 für einen Umbau: dabei wurden unter anderem die romanischen Seitenschiffe abgebrochen und neu aufgebaut sowie der ebenfalls romanische Wehrturm zum barocken Kirchenturm umgebaut - heute trägt er einen der schönsten Turmhelme der Steiermark. Barockisiert wurde auch das gotische Kreuz im Altarraum und der Innenraum.

Barocke Lust

Faszinierend ist der Blick zum Kirchturm. Die Kennzeichen des Barock: Es ist alles gedreht und geschwungen. Der heutige Turm war bis zum Umbau der Kirche Mitte des 18. Jahrunderts einer der zehn Wehrtürme des mittelalterlichen Stadtkerns. Bei der barocken Neugestaltung wurde der ramponierte Turm durch die Verlängerung der Seitenschiffe zum Kirchturm umgestaltet.

Rundgang im Inneren der Stadtpfarrkirche
Hier trifft die Dekorationslust des Spätbarocks mit dem Reichtum der Hochgotik zusammen. Der harmonische Zusammenklang beider Stile überrascht. Die Festlichkeit der Musikempore und der Emporenbrüstungen wird durch das barocke Gold bis in den sich fächerartig entfaltenden gotischen Vierkantrippen des sternförmigen Gewölbes getragen.

Der barocke Hochaltar wird von einem Altarbild des Hl. Martin von J.C. Hackhofer, dem bedeutenden Vorauer Stiftsmaler, geschmückt. Es ist ein sehr schönes Beispiel des bilderfreundlichen Katholizismus in der Gegenreformation. Nach der Überwindung der Türkengefahr im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts begann wieder eine nennenswerte heimische Kunstproduktion. Hoch- und Spätbarock ( um 1680 - 1740) stellen einen Höhepunkt österreichischer Kunst dar. Die Blüte der Malerei hielt bis Ende des 18. Jahrhundert an. In der Steiermark zählte Johann Cyriak Hackhofer zum wichtigsten Vertreter barocker Malkunst.
 

Selten erlebt man zwei Epochenstile so nah beieinander wie sich das in Hartberg zeigt: Der unerhörte Kontrast zwischen der herrlichen barocken Kirche und dem infolge seiner Schlichtheit ergreifenden Karner.

Ein neues Kapitel beginnt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt es teilweise zur Schleifung der mittelalterlichen Stadtmauer. Die Stadt erweitert sich und kann mit attraktiven Grünräumen durchzogen werden, die das Bild der Stadt bis heute prägen.

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