Geschichte erleben

In Hartberg begegnen Sie der Geschichte auf Schritt und Tritt. Kein Wunder: Die Region rund um die Stadt ist auch schon seit gut 3000 Jahren besiedelt. Bei einem Rundgang trifft man auf Historie, wohin das Auge blickt. Gegründet wurde Hartberg von Markgraf Leopold I. von Steyr bald nach 1122 als erste Traungauer-Pfalz auf steirischem Boden. Diese bestand zunächst lediglich aus einer Burg, der Johannes-Kapelle, einem Meierhof und einer Mühle. Wir beginnen unseren Rundgang beim Rochusplatz.

1 | Rochusplatz bis zum Hauptplatz
Sehen Sie die Rochussäule, die von einem  Hartberger Ehepaares zu Ehren des Pestheiligen gestiftet wurde, da sie von der Pest verschont wurden. Die Pestepidemie brach im Herbst 1679 aus, es gab 238 Tote in der Stadt und Umgebung. Der Stadtteich war einst der Stadgraben um die mittelalterliche Stadt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. schloß sich hier das erste städtische Freibbad, noch "blickdicht" eingezäunt mit hohen Holzbarrieren, an. Wo sich heute der Notar befindet, war bis in die 1950-er Jahre, eine öffentliche Warmwasser-Badeanstalt. Blicken Sie nach links, sehen Sie den Schölbingerturm, einer der 10 Stadttürme der mittelalterlichen Stadtmauer.

Unser Rundgang führt uns in die Wienerstraße /FUZO. Werfen Sie auf der rechten Seite zwischen Sparkasse und Trafik den Blick auf eine Tafel. Sie zeigt das Ungartor. Zu sehen das Ungartor, ein Doppeltor. 1836 wurde es abgebrochen. Es war jene Zeit als es zur Schleifung von Teilen der Stadtmauer kam. Aus dem Bauschutt wurden Bausteine gewonnen, die für Kanalisation und Pflasterung wiederverwertet wurden.

Sie werden drei Serpentinblöcke sehen. Diese sind der "Steinerne Fluss", eine Brunneninstallation der Bildhauerin Ulrike Truger, und symbolisieren den unteririsch fließenden Stadtbach. Bis ins 19. Jahrhundert  floss dieser im offenen Gerinne durch die Straße. Der Bach war quasi die Müllabfuhr, entsorgt wurden Speisereste und Abfall, als auch der Inhalt von Nachttöpfen.Wir kommen vorbei am Haus des Juweliers, dessen rot-weiße Fassade im Stil des Historismus glänzt. Die Dachtraufe erinnert mit dem Triglyphen-Fries an einen griechischen Tempel, mit feinstem Blattgold veredelt. Zu linker Seite führt ein blattgoldiger Torbogen ins Goldgassl. 

Kurz vor dem Hauptplatz zu rechter Seite befindet sich der Gasthof Zum Brauhaus. Weil hier Bier gebraut und gezapft wurde, nannte man die heutige Wienerstraße im Mittelalter Zapfgasse. Sehenswert ist das klassizistische Portal von 1814. Die mit Weintrauben und Kornähren geschmückten Stierschädel stehen für die Feldfrüchte aus der Region rund um Hartberg. Die Gesichter spielen auf Dionysos an, dem griechischen Gott des Weines, der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Und ekstatisch dürfte es hier wohl schon oft zugegangen sein!

2 | Hauptplatz
1147 errichtet, ist er der älteste Platzmarkt der Steiermark.  Am oberen Platz, rechts in der Ecke, sehen Sie ein schmales gelbes Haus, das heutige "Casa Mulino". Es war im Mittelalter die Platzmühle, die vom Stadtbach angetrieben wurde.In Zeiten einer Stadtbelagerung konnte man sich mit frisch gemahlenem Getreide selbst versorgen, um dem Feind zu  trotzen. Nehmen Sie Platz am historischen Brunnen, die Lounge-Möbeln laden ein zum Verweilen. Blicken Sie hoch zum blattvergoldeten, barocken Kirchturm. Und betrachten Sie das Rathhaus, das im historischen Stil erbaut, eine Vielfalt an Stilen aufweist: von der getreppeten Renaissance-Fassade bis zu den barocken Zwiebeltürmchen.

3 | Der Weg zum Schloss
Flanieren Sie durch die Kirchengasse, gehen Sie die Herrengasse hoch bis Sie über das Schlosstor eintreten in den Schlosspark. Wir schlendern zum Schloss Hartberg. Es gilt als weltliche Keimzelle der Stadt Hartberg. 1147 werden Burg und Pfalz (=befestigte Ansiedlung) erstmals urkundlich genannt. 1572 vom Geschlecht der späteren Fürsten Paar erworben, erfolgt  ab 1576der Umbau der Burg zu einem Schloss im Stil der Renaissance. 2012 erhielt die repräsentative Schlossanlage einen architektonisch gelungenen Zubau, Historisches und Zeitgenössisches ergeben ein harmonisches Ganzes.  

4| Lustwandeln im Stadtpark
Durchs Tor der angrenzenden Schlossmauer führt der Weg in den Stadtpark zur öffentlichen Wäscheschwemme.  Zu sehen ist der Steintrog, wo die Frauen mit Waschrumpeln die Wäsche per Hand schrubbten. Der Park ist über sieben Terrassen angelegt, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war hier der Stadtgraben. Sehen Sie mittelalteriche Stadtmauer und den Reckturm, den zweiten noch erhaltenen Stadttürme. Im Mittelalter dienter er als Gefängnis der Stadt.

Genießen Sie die Atmosphäre, alte Baumriesen spenden kühlen Schatten. Der Rundgang führt nun über die Kirchengasse zum Kirchplatz. Die Stadtpfarrkirche Hl. Martin lädt ein, die spätbarocke Innenausstattung ist eine Augenweide. Zur rechten Seite sehen Sie den Karner, es ist der kostbarste Schatz der historischen Altstadt. Ein spätromanischer Bauwerk das seinesgleich sucht, zählt es wohl zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken Österreichs. Am Portal zeigen sich romanische Rundbögen. Die Säulen und Pfeiler, die in kräftigen Knospenkapitellen enden. Im Inneren staunen Sie über üppigen Freskenschmuck.

Weiter führt der Weg über die Stiege hinab zur Michaeligasse, einst war die Gasse die Hauptverkehrsader im Mittelalter, die nach Ungarn führte. Vom Torbogen beim Schölbingerturm lohnt sich der Blick zurück, es zeigt sich eines der schönsten Fotomotive der Stadt: der romanische Karner und der spätborocke Turmhelm der Stadtpfarrkirche.

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