Geschichte erleben

In Hartberg begegnen Sie der Geschichte auf Schritt und Tritt. Kein Wunder: Die Region rund um die Stadt ist auch schon seit über 2000 Jahren besiedelt. Bei einem Rundgang trifft man auf Historie, wohin das Auge blickt. Gegründet wurde Hartberg von Markgraf Leopold I. von Steyr zu Beginn des 12. Jahrhunderts, als erste Traungauer-Pfalz auf steirischem Boden. Diese bestand zunächst lediglich aus einer Burg, der Johannes-Kapelle, einem Meierhof und einer Mühle. Wir beginnen unseren Rundgang am Hauptplatz.

Vom Hauptplatz bis zum Rochusplatz
Biegen Sie in die Fußgängerzone der Stadt ein. Zu linker Seite sehen Sie das Gasthof Zum Brauhaus. Weil hier Bier gebraut und gezapft wurde, wurde sie auch Zapfgasse genannt. Sehenswert ist das klassizistische Portal von 1814. Die mit Weintrauben und Kornähren geschmückten Stierschädel stehen für die Feldfrüchte aus der Region rund um Hartberg. Die Gesichter spielen auf Dionysos an, dem griechischen Gott des Weines, der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Und ekstatisch dürfte es hier wohl schon oft zugegangen sein!

Beim Flanieren werden Sie drei Serpentinblöcke sehen. Diese symbolisieren als "Steinerner Fluss", eine Brunneninstallation der Bildhauerin Ulrike Truger, den unteririsch fließenden Stadtbach. Bis ins 19. Jahrhundert floss der Bach im offenen Gerinne die Gasse entlang, und dient auch als Müllabfuhr, entsorgt wurden Speisereste und Abfall, als auch der Inhalt von Nachttöpfen. Wir kommen vorbei am Haus des Juweliers, dessen rot-weiße Fassade im Stil des Historismus glänzt. Die Dachtraufe erinnert mit dem Triglyphen-Fries an einen griechischen Tempel, mit feinstem Blattgold veredelt. Zu linker Seite führt ein blattgoldiger Torbogen ins Goldgassl. 

Werfen Sie auf der rechten Seite zwischen Sparkasse und Trafik den Blick auf eine Tafel. Sie zeigt das Ungartor. Zu sehen das Ungartor, ein Doppeltor. 1836 wurde es abgebrochen. Es war jene Zeit als es zur Schleifung von Teilen der Stadtmauer kam. Aus dem Bauschutt wurden Bausteine gewonnen, die für Kanalisation und Pflasterung wiederverwertet wurden.

Durchstreifen Sie den Rochuspark. Die Rochussäule wurde von einem  Hartberger Ehepaares zu Ehren des Pestheiligen gestiftet, da sie von der Pest verschont wurden. Die Pestepidemie brach im Herbst 1679 aus, es gab 238 Tote in der Stadt und Umgebung. Der Stadtteich war einst ein Teil des Stadgrabens, der die mittelalterliche Befestigungsmauer umgab. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. befand sich, wo heute die Rochuspark ist, das erste städtische Freibad, noch "blickdicht" mit hohen Holzzäunen umgeben. Am Stadtteich konnte man mit kleinen Booten Ausfahrten geniessen. Wo sich heute der Notar befindet, war bis in die 1950-er Jahre, eine öffentliche Warmwasser-Badeanstalt. Blicken Sie nach links, sehen Sie den Schölbingerturm, einer der 10 Stadttürme der mittelalterlichen Stadtmauer.

Vom Kirchplatz über den Stadtpark zum Schloss Hartberg
Geht man durch den Torbogen beim Schölbingerturm, betritt man die mittelalterliche Stadt. Die Michaeligasse war einst die Hauptverkehrsstrasse, die nach Ungarn führte. Der Blick zum spätbarocken Kirchturm der Stadtpfarrkirche und dem romanischen Karner ist eines der schönsten Fotomotive der Stadt. Gehen Sie bis zum Stiegenaufgang, der zum Kirchplatz führt. Die Innenbesichtigung des Karners und der Stadtpfarrkirche ist lohnenswert. Der Innenraum der Kirche ist ein harmonisches Miteinander von Barock und Gotik. Üppige, barocke Fresken und geschwungenes Golddekor verschmelzen harmonisch mit dem gotischen Sternrippengewölbe. Zur rechten Seite des Kirche sehen Sie den Karner, es ist der kostbarste Schatz der historischen Altstadt. Ein spätromanischer Bauwerk, dasl zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken Österreichs zählt. Am Portal zeigen sich romanische Rundbögen. Die Säulen und Pfeiler, die in kräftigen Knospenkapitellen enden. Im Inneren staunen Sie über farbenfrohe Fresken.

Am Hauptplatz. 1147 errichtet, ist er der älteste Platzmarkt der Steiermark. Am oberen Platz, rechts in der Ecke, sehen Sie ein schmales gelbes Haus, das heutige "Casa Mulino". Es war im Mittelalter die Platzmühle, die vom Stadtbach angetrieben wurde. So konnte man sich in Zeiten einer Stadtbelagerung mit frisch gemahlenem Getreide selbst versorgen. Nehmen Sie Platz am historischen Brunnen, die Lounge-Möbeln laden ein zum Verweilen. Blicken Sie hoch zum blattvergoldeten, barocken Kirchturm. Und betrachten Sie das Rathhaus, das im historischen Stil erbaut, eine Vielfalt an Stilen aufweist: von der getreppeten Renaissance-Fassade bis zu den barocken Zwiebeltürmchen.

Lustwandeln im Stadtpark. Durchs Tor der angrenzenden Schlossmauer führt der Weg in den Stadtpark zur öffentlichen Wäscheschwemme.  Zu sehen ist der Steintrog, wo die Frauen mit Waschrumpeln die Wäsche per Hand schrubbten. Der Park ist über sieben Terrassen angelegt, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war hier der Stadtgraben. Sehen Sie mittelalteriche Stadtmauer und den Reckturm, den zweiten noch erhaltenen Stadttürme. Im Mittelalter dienter er als Gefängnis der Stadt. Genießen Sie die Atmosphäre, alte Baumriesen spenden kühlen Schatten.

Schloss Hartberg. Es gilt als weltliche Keimzelle der Stadt Hartberg. 1147 werden Burg und Pfalz (=befestigte Ansiedlung) erstmals urkundlich genannt. 1572 vom Geschlecht der späteren Fürsten Paar erworben, erfolgt  ab 1576der Umbau der Burg zu einem Schloss im Stil der Renaissance. 2012 erhielt die repräsentative Schlossanlage einen architektonisch gelungenen Zubau, Historisches und Zeitgenössisches ergeben ein harmonisches Ganzes. Geniessen Sie die Atmosphäre des Schlossparkes, und besuchen Sie im Anschluss das Stadtmuseum in der Herrengasse, die als erster Gassenmarkt der Stadt gilt. Gehen Sie durchs Schlosstor, vorbei am Hotel Alter Gerichtshof, das im Mittelalter Meierhof des Schlosses und in weiterer Folge der erste Gerichtshof der Stadt war.

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